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Neukundengewinnung im B2B: neun Wege im Vergleich, mit Kosten und Rechtslage

Von , Newman Strategy · veröffentlicht am · Lesezeit 11 Minuten

Zwei Geschäftsleute geben sich in einem hellen Büro über einen Tisch hinweg die Hand
Foto: Vitaly Gariev auf Unsplash

Neukundengewinnung im B2B heißt, Unternehmen als Kunden zu gewinnen, mit denen du noch nie zu tun hattest. Dafür gibt es neun gängige Wege. Vier davon gehen aktiv auf Unternehmen zu, fünf sorgen dafür, dass Unternehmen dich finden. Zwei der aktiven Wege, Telefon und E-Mail, brauchen in Österreich immer und in Deutschland meist eine Einwilligung. Hier stehen alle neun nebeneinander, mit Kosten aus veröffentlichten Quellen, der Rechtslage und einer Strategie in fünf Schritten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neun Wege: vier aktive (Brief, Telefon, E-Mail, LinkedIn) und fünf, über die Kunden dich finden (Website, Google Ads, Social Ads, Empfehlungen, Messen). Dazu kommt der Kauf von Leads.
  • Recht: Der Brief braucht in Deutschland und Österreich keine vorherige Einwilligung. E-Mail braucht sie immer, Telefon in Österreich immer.[1] [2]
  • Kosten am Telefon: Anbieter nennen 250 bis 700 Euro je Termin oder 60 bis 140 Euro je Stunde.[4]
  • Kosten über Suchanzeigen: Für „b2b leadgenerierung agentur“ zahlen Werbetreibende rund 14 US-Dollar je Klick, für „google ads betreuung“ rund 16.[7]
  • Markt: Werbesendungen per Post stehen in Deutschland mit 5,8 Milliarden Euro auf Platz vier der Werbeträger.[6]

Neukundengewinnung im B2B gelingt, wenn zuerst feststeht, welche Unternehmen als Kunden in Frage kommen, und erst danach der Kanal gewählt wird. Rechtlich offen sind in Deutschland und Österreich der adressierte Brief und alle Wege, über die Kunden selbst Kontakt aufnehmen. Telefon und E-Mail brauchen meist eine vorherige Einwilligung.[1] [2]

Was Neukundengewinnung im B2B anders macht

Wer an Unternehmen verkauft, hat meist wenige Kunden mit hohem Wert. Ein einziger neuer Kunde kann ein Jahr Umsatz tragen. Gleichzeitig entscheiden selten einzelne Personen, oft sind Geschäftsführung, Fachabteilung und Einkauf beteiligt, und von der ersten Ansprache bis zum Auftrag vergehen Wochen oder Monate.

Daraus folgt der wichtigste Grundsatz: Auswahl schlägt Reichweite. Hundert gut ausgewählte Unternehmen bringen mehr als zehntausend Adressen aus einer gekauften Liste. Das gilt für die Wirkung und, wie die Tabelle unten zeigt, auch für das Recht.

Neun Wege der Neukundengewinnung im Vergleich

Wege der Neukundengewinnung im B2B, Stand 1. Oktober 2026 (Quellen: [1] bis [8])
WegRecht DeutschlandRecht ÖsterreichKosten (Beispiele)bis zum ersten Ergebnis
Brief an ausgewählte Unternehmenohne Einwilligung zulässigohne Einwilligung zulässig0,95 € Porto (DE), 1,00 € (AT), dazu Recherche und Text[5]Tage bis Wochen
Telefonmit zumindest mutmaßlicher Einwilligungnur mit vorheriger EinwilligungAgentur: 250 bis 700 € je Termin, 60 bis 140 € je Stunde[4]Tage
E-Mailnur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligungnur mit vorheriger Einwilligunggering, aber ohne Einwilligung unzulässigTage
LinkedInNachrichten an Fremde rechtlich nicht abschließend geklärt; Vernetzen und eigene Beiträge unproblematischvor allem ZeitWochen
Website und Suchmaschinefrei, Kunde meldet sich selbstInhalte und Technik, laufendMonate
Google Adsfrei, Kunde meldet sich selbstin unserer Stichprobe 5 bis 16 US-Dollar je Klick[7]Tage
Anzeigen auf LinkedIn und Metafrei; bei Formularen gilt die DSGVOMeta Lead Ads im Schnitt rund 27 US-Dollar je Lead[8]Tage bis Wochen
Empfehlungenfreigering, schwer planbarunregelmäßig
Messen und VeranstaltungenfreiStand, Reise, Zeitan Termine gebunden
Leads oder Termine kaufenHerkunft und Einwilligung des Kontakts prüfenB2B-Lead 40 bis 400 €, Termin 300 bis 800 € und mehr[8] [9]Tage

Kosten aus Angaben von Anbietern und aus Werbedaten, keine unabhängige Erhebung. Die Rechtsspalten sind eine Übersicht und keine Rechtsberatung.

Die aktiven Wege im Detail

Brief

Der adressierte Brief ist der einzige aktive Kanal, der in beiden Ländern ohne vorherige Einwilligung offensteht. Die Pflichten für Anrufe und E-Mails in § 7 Abs. 2 UWG und § 174 TKG 2021 erfassen ihn nicht.[1] [2] Für die Adresse gilt die DSGVO: berechtigtes Interesse, Information nach Art. 14 und Widerspruch nach Art. 21.[3] Wie ein solcher Brief aufgebaut ist, zeigt der Beitrag Werbebrief an Unternehmen.

Telefon

In Deutschland darf ein Unternehmen angerufen werden, wenn eine zumindest mutmaßliche Einwilligung vorliegt, also ein konkretes Interesse an genau diesem Angebot anzunehmen ist.[1] In Österreich braucht jeder Werbeanruf eine vorherige Einwilligung, auch bei Unternehmen, bei Strafen bis 100.000 Euro.[2] Details im Beitrag Kaltakquise in Österreich.

Wer das Telefon auslagert, zahlt laut Anbietern 60 bis 140 Euro je Stunde oder 250 bis 700 Euro je Termin, dazu oft 2.000 bis 6.000 Euro für die Einrichtung.[4] Ein Anbieter nennt 5 bis 10 Entscheider-Termine in 40 Akquisestunden.[10]

E-Mail

Werbe-E-Mails an Unternehmen brauchen in Deutschland eine vorherige ausdrückliche, in Österreich eine vorherige Einwilligung. Die Ausnahme für Bestandskunden hilft bei Neukunden nicht.[1] [2] Die E-Mail ist damit ein Kanal für Kontakte, die schon zugestimmt haben, etwa nach einem Formular oder einem Gespräch.

LinkedIn

Ob eine Nachricht über LinkedIn rechtlich wie eine E-Mail behandelt wird, ist nicht abschließend geklärt. Unproblematisch sind eigene Beiträge, Kommentare und Vernetzungsanfragen ohne Werbebotschaft. Wer Werbenachrichten an Fremde schickt, sollte sie vorsichtig wie E-Mails behandeln.

Die Wege, über die Kunden dich finden

Bei diesen Wegen meldet sich der Kunde selbst. Rechtlich ist das der einfachste Fall, wirtschaftlich zählt, was ein Kontakt kostet.

  • Website und Suchmaschine: Dauert Monate, wird dann aber mit jedem Monat günstiger. Gefunden wird, wer die Fragen der Zielgruppe genauer beantwortet als andere.
  • Google Ads: Liefert ab dem ersten Tag Anfragen, kostet aber je Klick. In unserer Auswertung vom 1. Oktober 2026 zahlen Werbetreibende in Deutschland für „google ads betreuung“ rund 16 US-Dollar je Klick, für „b2b leadgenerierung agentur“ rund 14 und für „neukundengewinnung b2b“ rund 5.[7]
  • Anzeigen auf LinkedIn und Meta: erreichen Entscheider nach Funktion und Branche. Meta Lead Ads kosten im Schnitt rund 27 US-Dollar je Lead, Einzelheiten im Beitrag Meta Lead Ads.[8]
  • Empfehlungen: die günstigsten Kunden, aber nicht planbar. Gezielt fragen hilft: nach einem erfolgreichen Projekt, mit einem konkreten Namen.
  • Messen: Gespräche mit vielen Entscheidern an wenigen Tagen. Lohnt sich, wenn die Zielgruppe dort tatsächlich ist und die Kontakte danach nachgefasst werden.

Strategie zur Neukundengewinnung in fünf Schritten

  1. Wunschkunden festlegen. Branche, Größe, Region und ein Merkmal, an dem du erkennst, dass dein Angebot passt. Zum Beispiel: Tischlereien in Vorarlberg mit Website, aber ohne eigene Seite für Maßküchen.
  2. Liste aus öffentlichen Quellen aufbauen. Firmenbuch oder Handelsregister, Impressum, Verbände. Je Unternehmen festhalten, was du über sein Geschäft herausgefunden hast.
  3. Kanal nach Recht und Auftragswert wählen. Bei wenigen, wertvollen Kunden die Einzelansprache per Brief. Bei vielen kleineren Kunden Wege, über die Kunden dich finden.
  4. Mit einem Befund ansprechen. Nicht „wir sind“, sondern „bei Ihnen ist uns aufgefallen“. Ein Angebot, ein nächster Schritt.
  5. Messen und nachschärfen. Kosten je Gespräch und je Auftrag festhalten, nicht Kosten je Kontakt. Die Rechnung dazu steht im Beitrag Leadgenerierung im B2B mit Rechner.

Selbst machen oder auslagern?

Ein Anbieter beziffert ein eigenes Team im ersten Jahr mit 85.000 bis 120.000 Euro, eine ausgelagerte Akquise mit 30.000 bis 84.000 Euro im Jahr.[10] Die Zahlen stammen von einem Anbieter, der Auslagerung verkauft, und sind entsprechend einzuordnen. Unabhängig davon lohnt sich das Auslagern, wenn intern die Zeit für Recherche und Ansprache fehlt. Woran du eine gute Kaltakquise-Agentur erkennst:

  • Sie legt offen, wie die Zielliste entsteht.
  • Sie nennt den Kanal und seine Rechtsgrundlage für Deutschland und Österreich getrennt.
  • Sie rechnet in Gesprächen oder Terminen ab, nicht in Anrufen, Mails oder Briefen.
  • Sie zeigt Beispiele ihrer Ansprache vor Vertragsbeginn.
  • Sie startet mit einem überschaubaren ersten Paket statt eines Jahresvertrags.

Fünf Fehler bei der Neukundengewinnung

  1. Erst der Kanal, dann die Zielgruppe. Wer mit „wir machen jetzt LinkedIn“ beginnt, sucht danach Kunden für den Kanal.
  2. Gekaufte Adresslisten ohne Prüfung. Unklare Herkunft heißt unklare Rechtslage, besonders bei E-Mail-Adressen.
  3. Ein Text für alle. Der Serienbrief oder die Serienmail ist zulässig oder nicht, aber fast immer wirkungslos.
  4. Kosten je Kontakt statt je Auftrag. Der günstigste Kontakt ist oft der teuerste Kunde.
  5. Kein Nachfassen über den richtigen Kanal. Nach einem Brief ohne Einwilligung anzurufen ist in Österreich unzulässig. Lade lieber ein, sich zu melden.

Wie dieser Beitrag entstanden ist

Die Rechtslage stammt aus den Gesetzestexten [1] bis [3], abgerufen am 1. Oktober 2026. Die Kosten stammen aus veröffentlichten Angaben von Anbietern [4], [9], [10], den Seiten der Posten [5], dem Dialogmarketing-Monitor [6] und einer eigenen Abfrage von Klickpreisen bei Ahrefs [7]. Anbieterangaben sind keine unabhängige Statistik. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Quellen

  1. gesetze-im-internet.de: UWG, § 7 Unzumutbare Belästigungen, abgerufen 01.10.2026
  2. RIS: Telekommunikationsgesetz 2021, § 174 und § 188, abgerufen 01.10.2026
  3. EUR-Lex: Datenschutz-Grundverordnung (EU) 2016/679, Art. 6, 14, 21, Erwägungsgrund 47, abgerufen 01.10.2026
  4. telefonakquise-agentur.de: Kosten Outbound Telefonakquise, Anbieterangaben, abgerufen 01.10.2026
  5. Deutsche Post: Porto für Briefe in Deutschland; Österreichische Post: Brief Österreich, abgerufen 01.10.2026
  6. DHL Group: Dialogmarketing-Monitor 2026, Pressemitteilung vom 02.07.2026
  7. Ahrefs Keywords Explorer, eigene Abfrage vom 01.10.2026, Deutschland: Klickpreise für „google ads betreuung“, „b2b leadgenerierung agentur“, „neukundengewinnung b2b“
  8. Newman Strategy: Meta Lead Ads: Kosten, Formular oder Zielseite und Leads kaufen, jeweils mit eigenen Quellen
  9. alivello: Was kostet B2B-Leadgenerierung in Deutschland?, Anbieterangaben, abgerufen 01.10.2026
  10. Die Vertriebswikinger: Kaltakquise outsourcen: Kosten, Anbieterangaben, Stand 21.02.2026

Zusammenstellung: Linus Neumann, Newman Strategy, Oktober 2026.

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Häufige Fragen

Was ist Neukundengewinnung im B2B?

Die Gewinnung von Unternehmen als Kunden, mit denen bisher keine Geschäftsbeziehung besteht. Im Unterschied zum Privatkundengeschäft entscheiden meist mehrere Personen, die Kaufzyklen sind länger und jeder einzelne Kunde ist mehr wert. Deshalb zählt die Auswahl der richtigen Unternehmen mehr als die Reichweite.

Welche Wege der Neukundengewinnung gibt es im B2B?

Aktiv: Brief, Telefon, E-Mail und LinkedIn. Passiv, also Kunden finden dich: Website mit Suchmaschinenoptimierung, Google Ads, Werbung auf LinkedIn und Meta, Empfehlungen und Messen. Dazu kommt der Kauf von Leads oder Terminen bei Dienstleistern.

Ist Kaltakquise im B2B erlaubt?

Per Brief ja, in Deutschland und Österreich ohne vorherige Einwilligung. Per E-Mail nur mit vorheriger Einwilligung. Per Telefon in Deutschland mit zumindest mutmaßlicher Einwilligung des Unternehmens (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG), in Österreich nur mit vorheriger Einwilligung (§ 174 Abs. 1 TKG 2021).

Was kostet Neukundengewinnung im B2B?

Anbieter von Telefonakquise nennen 250 bis 700 Euro je Termin oder 60 bis 140 Euro je Stunde. Für einen B2B-Termin über Leadgenerierung werden 300 bis 800 Euro und mehr genannt. Ein Werbebrief kostet in Deutschland 0,95 Euro Porto, in Österreich 1,00 Euro, dazu Recherche und Text. Die Spannen stammen von Anbietern, eine unabhängige Statistik gibt es nicht.

Welche Strategie zur Neukundengewinnung ist die beste?

Die, die zu Auftragswert, Zielgruppe und Rechtslage passt. Bei wenigen, wertvollen Kunden lohnt sich die gezielte Einzelansprache per Brief. Bei vielen kleinen Kunden lohnen sich Kanäle, über die Kunden dich selbst finden, etwa Suchmaschinen und Anzeigen. Fast immer gilt: erst Wunschkunden festlegen, dann den Kanal wählen.

Sollte ich die Neukundengewinnung an eine Agentur auslagern?

Wenn intern die Zeit für Recherche und Ansprache fehlt, ja. Achte darauf, dass die Agentur offenlegt, wie die Zielliste entsteht, welchen Kanal sie mit welcher Rechtsgrundlage nutzt und dass sie in Gesprächen oder Terminen abrechnet statt in Anrufen oder Briefen.

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