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Warum SEO seit 2025 anders funktioniert: zwei eigene Messungen

Von , Newman Strategy · veröffentlicht am · Lesezeit 8 Minuten

Person tippt an einem Laptop, auf dem Bildschirm die Google-Startseite, daneben eine Kaffeetasse
Foto: SumUp auf Unsplash

Eine Website kann heute mehr Plätze unter den ersten zehn haben als vor einem Jahr und trotzdem mehr als die Hälfte ihrer Klicks verlieren. Zwei eigene Messungen zeigen, wo Google KI-Überblicke ausspielt und was das auf einer echten Domain anrichtet.

Die wichtigsten Zahlen

  • Bei 98 Prozent der geprüften Erklärsuchen zeigt Google einen KI-Überblick, bei 34 Prozent der Anbietersuchen.
  • Nach Suchvolumen gewichtet: 99,6 Prozent gegenüber 19 Prozent.
  • Anbietersuchen ohne KI-Überblick kosten im Median 3,50 US-Dollar je Klick, mit KI-Überblick 1,70 US-Dollar.
  • Eine österreichische Website verlor 58 Prozent ihrer Klicks, von 12,5 auf 5,3 am Tag.
  • Im selben Zeitraum stieg ihre Zahl der Plätze unter den ersten zehn von 72 auf 81.
  • Der Verlust betrifft vor allem Deutschland mit minus 78 Prozent, Österreich mit minus 29 Prozent.

Bei Anbietersuchen ohne KI-Überblick liegt der mittlere Klickpreis bei 3,50 US-Dollar, bei denen mit KI-Überblick bei 1,70 US-Dollar. Die Begriffe, bei denen Google keinen KI-Überblick zeigt, sind im Mittel doppelt so teuer.

Erste Messung: wo KI-Überblicke stehen

Geprüft wurden 100 deutsche Geschäftsbegriffe im Markt Deutschland, je 50 aus zwei Gruppen. Anbietersuchen sind Begriffe wie „seo agentur“ oder „unternehmensberatung“, mit denen jemand einen Dienstleister sucht. Erklärsuchen sind Begriffe wie „was ist crm“, mit denen jemand etwas verstehen will. Erhoben am 29. August 2026.

Anteil der Trefferlisten mit KI-Überblick nach Suchabsicht, Deutschland, 29.08.2026
GruppeBegriffe mit KI-ÜberblickAnteil
Erklärsuche48 von 49 auswertbaren98 %
Anbietersuche17 von 5034 %

Ein Begriff der Erklärsuche („was ist künstliche Intelligenz“) wurde ohne Umlaut abgefragt, lieferte keine Daten und ist nicht mitgezählt.

Nach Suchvolumen gewichtet wird der Abstand größer.

Anteil des Suchvolumens mit KI-Überblick
Erklärsuche (53.690 Suchen)99,6 %
Anbietersuche (94.210 Suchen)19 %

Eigene Messung, 100 deutsche Geschäftsbegriffe, 29.08.2026

Praktisch jede Erklärsuche mit nennenswertem Volumen hat einen KI-Überblick. Die einzige Erklärsuche ohne KI-Überblick, „was ist customer journey“, hat 200 Suchen im Monat.

Bei den Anbietersuchen betrifft es ein Fünftel des Volumens. Vier von fünf Suchanfragen nach einem Anbieter landen weiterhin auf einer gewöhnlichen Trefferliste.

Google lässt die teuren Begriffe in Ruhe

Klickpreis der Anbietersuchen nach KI-Überblick, Median
Gruppe der AnbietersuchenAnzahlKlickpreis, Median
ohne KI-Überblick333,50 USD
mit KI-Überblick171,70 USD

Die Begriffe ohne KI-Überblick sind im Mittel doppelt so teuer. Das ist der auffälligste Einzelbefund der ersten Messung. Wo Werbetreibende am meisten je Klick zahlen, zeigt Google in dieser Stichprobe seltener eine KI-Antwort. Ob das Absicht ist, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Die zehn größten Anbietersuchen ohne KI-Überblick, Deutschland
BegriffSuchen im MonatKlickpreis
seo agentur8.5003,50 USD
webdesign agentur7.8004,00 USD
werbeagentur7.3002,00 USD
online marketing agentur6.5001,00 USD
headhunter5.6001,40 USD
unternehmensberatung4.7001,90 USD
social media agentur4.5004,00 USD
wordpress agentur3.6008,00 USD
google ads agentur3.30011,00 USD
webagentur2.7004,00 USD

Die größten Anbietersuchen mit KI-Überblick liegen deutlich darunter: „ki beratung“ mit 2.900 Suchen, „typo3 agentur“ mit 2.400, „sea agentur“ mit 2.200. Zum Vergleich die Erklärsuchen: „was ist ki“ mit 18.000 Suchen, „was ist chatgpt“ mit 9.500, „was ist seo“ mit 2.400. Alle drei mit KI-Überblick.

Zweite Messung: was das auf einer Website anrichtet

Die zweite Messung beobachtet eine österreichische Beratungs-Website, deren Bestand zum großen Teil aus Ratgeberbeiträgen der Jahre 2021 und 2022 besteht. Grundlage sind echte Klicks aus der Google Search Console, keine Schätzung. Weil die Daten am 19. August 2026 enden, steht überall ein Tageswert statt einer Monatssumme.

Klicks je Tag aus der Google Search Console
März 202612,5
April 20269,9
Mai 20269,1
Juni 20266,9
Juli 20265,8
August 20265,3

Eigene Messung, eine österreichische Website, alle Länder. August: 1. bis 19.

Klicks, Impressionen und Position je Tag, März bis August 2026
MonatKlicks je TagImpressionen je TagKlickrateØ Position
März 202612,53.9780,31 %27,8
April 20269,93.3620,29 %28,0
Mai 20269,13.7820,24 %30,8
Juni 20266,93.7310,18 %28,5
Juli 20265,82.9960,19 %29,7
August 2026, 1. bis 19.5,33.0640,17 %29,9

58 Prozent der Klicks sind in fünf Monaten weg, und zwar gleichmäßig. Es gibt keine Woche, in der es kippt. Eine Strafe oder eine technische Sperre schneidet innerhalb weniger Tage, dieser Verlust fällt Woche für Woche.

Die Impressionen je Tag fielen um 23 Prozent, die Klicks um 58 Prozent. Die Klickrate sank von 0,31 auf 0,17 Prozent. Die Website wird also weiterhin angezeigt, aber deutlich seltener angeklickt.

Die Plätze sind besser als vorher

Zahl der Platzierungen je Positionsbereich und Klicks je Tag
ZeitpunktPlatz 1 bis 3Platz 4 bis 10Top 10 gesamtKlicks je Tag
Juni 202518547211,0
März 202621577812,5
August 20261170815,3

Platzierungen: Schätzung aus dem Ahrefs Site Explorer. Klicks: gemessen in der Google Search Console. Beide Spalten stehen nebeneinander, lassen sich aber nicht ineinander umrechnen.

Mehr Plätze unter den ersten zehn als je zuvor, und weniger als die Hälfte der Klicks. Die durchschnittliche Position liegt seit Februar 2026 zwischen 27,8 und 30,8. Im Herbst 2025 lag sie bei 45 bis 52. Nach allen Positionskennzahlen steht die Website heute besser da als vor einem Jahr.

Ein echter Verlust steckt trotzdem darin: Die Plätze 1 bis 3 haben sich von 21 auf 11 halbiert. Die Begriffe sind nicht verschwunden, sie sind auf die Plätze 4 bis 10 gerutscht. Dieser Bereich wuchs von 57 auf 70.

Der Verlust ist deutsch

Klicks je Tag nach Land
MonatDeutschlandÖsterreich
März 20267,43,5
April 20264,13,5
Mai 20264,32,6
Juni 20263,22,2
Juli 20262,41,8
August 20261,62,5

Deutschland minus 78 Prozent, Österreich minus 29 Prozent. Österreich liegt im August sogar wieder über dem Juli. Der deutsche Verkehr kam fast vollständig aus den alten Ratgeberbeiträgen, der österreichische enthält mehr Namens- und Ortsbegriffe, und die halten.

Welche Seiten es trifft

Die zwölf größten Verlierer im deutschen Markt sind ausnahmslos Ratgeberbeiträge aus den Jahren 2021 und 2022. Keine einzige Leistungsseite steht in der Liste. Über den Suchergebnissen dieser Beiträge steht heute ein KI-Überblick.

Was die beiden Messungen zusammen ergeben

Die erste Messung zeigt, wo KI-Überblicke stehen: über Erklärsuchen fast immer, über Anbietersuchen selten und über den teuren Anbietersuchen am seltensten. Die zweite Messung zeigt, was das kostet: Eine Website, deren Bestand aus Erklärbeiträgen besteht, verliert mehr als die Hälfte ihrer Klicks, während ihre Platzierungen besser werden.

Beides zusammen erklärt, warum die üblichen Kennzahlen nicht mehr warnen.

Richtung der Kennzahlen, März bis August 2026
KennzahlRichtung
Durchschnittliche Positionbesser als vor einem Jahr
Plätze unter den ersten zehnmehr
Impressionen je Tagminus 23 %
Klicks je Tagminus 58 %

Was daraus folgt

Erstens: Vor dem Schreiben gehört die Trefferliste geprüft. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob ein Begriff erreichbar ist, sondern ob über ihm ein KI-Überblick steht. Ein Begriff mit 8.500 Suchen ohne KI-Überblick ist etwas anderes als einer mit 18.000 Suchen und einer KI-Antwort darüber.

Zweitens: Erklärende Inhalte tragen den Teil des Marktes, der gerade wegbricht. In der Stichprobe hat praktisch jede Erklärsuche mit Volumen einen KI-Überblick. Auf der beobachteten Website sind ausnahmslos Erklärbeiträge unter den größten Verlierern. Wer solche Inhalte schreibt, schreibt heute eher dafür, im KI-Überblick als Quelle genannt zu werden, als für den Klick.

Drittens: Die teuren Anbietersuchen halten, vorerst. „seo agentur“, „webdesign agentur“, „google ads agentur“: Vier von fünf Suchanfragen nach einem Anbieter landen weiterhin auf einer gewöhnlichen Trefferliste. Leistungsseiten für genau diese Begriffe sind derzeit die belastbarere Investition.

Viertens: Wer nach Positionen steuert, sieht den Verlust nicht. Auf der beobachteten Website zeigen alle Positionskennzahlen nach oben, während sich die Klicks mehr als halbieren. Der einzige Wert, der warnt, sind die Klicks selbst.

Grenzen der beiden Messungen

  • Die erste Messung ist eine Stichprobe von 100 Begriffen, von Hand ausgewählt aus Marketing, Web, IT, Beratung, Personal und Vertrieb. Sie steht nicht für den ganzen deutschen Markt und deckt nur zwei Suchabsichten ab.
  • Sie ist eine Momentaufnahme vom 29. August 2026 und gilt nur für Deutschland. KI-Überblicke erscheinen nicht dauerhaft gleich.
  • Der Klickpreisbefund gilt für diese Stichprobe. Eine größere Auswertung von Semrush über 600.000 US-Suchbegriffe kommt für die meisten Branchen zum umgekehrten Ergebnis: Dort sind Begriffe mit KI-Überblick im Schnitt teurer. Markt, Branchen und Auswahl der Begriffe unterscheiden sich.
  • Die zweite Messung beschreibt eine einzige Website, kein allgemeines Muster.
  • Dass der KI-Überblick den Klickverlust verursacht, ist eine Schlussfolgerung, keine Messung. Belegt ist: Die größten Verlierer sind Ratgeberbeiträge, und über deren Suchergebnissen steht heute ein KI-Überblick.

So wurde gemessen

Erste Messung: 100 deutsche Geschäftsbegriffe, Markt Deutschland, je 50 Anbieter- und Erklärsuchen, abgefragt am 29. August 2026 im Ahrefs Keywords Explorer. Gezählt wurde, ob die Trefferliste das Merkmal KI-Überblick enthält, dazu Suchvolumen und Klickpreis. Das Merkmal wurde vorab an fünf von Hand gelesenen Trefferlisten geprüft, fünf von fünf stimmten.

Zweite Messung: Klicks, Impressionen, Klickrate und Position aus der Google Search Console einer österreichischen Website, Juni 2025 bis 19. August 2026, dazu die Zahl der Platzierungen je Positionsbereich aus dem Ahrefs Site Explorer. Verglichen werden nur die Bereiche 1 bis 3 und 4 bis 10, weil Ahrefs die Messtiefe ab Platz 11 im Oktober 2025 geändert hat.

Erhebung und Auswertung: Linus Neumann, Newman Strategy, August 2026.

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Häufige Fragen

Warum verliert eine Website Klicks, obwohl ihre Platzierungen gleich bleiben?

Weil über vielen Suchergebnissen inzwischen ein KI-Überblick steht, der die Frage schon auf der Ergebnisseite beantwortet. In unserer Messung verlor eine Website 58 Prozent ihrer Klicks, während die Zahl ihrer Plätze unter den ersten zehn von 72 auf 81 stieg. Die Impressionen fielen deutlich weniger als die Klickrate, die sich im deutschen Markt mehr als halbierte.

Bei welchen Suchanfragen zeigt Google einen KI-Überblick?

Vor allem bei Erklärsuchen wie „was ist CRM“. In unserer Stichprobe von 100 deutschen Geschäftsbegriffen stand bei 48 von 49 auswertbaren Erklärsuchen ein KI-Überblick, das sind 98 Prozent. Bei Anbietersuchen wie „seo agentur“ waren es 17 von 50, also 34 Prozent.

Sind teure Suchbegriffe seltener von KI-Überblicken betroffen?

In unserer Stichprobe ja. Anbietersuchen ohne KI-Überblick kosten im Median 3,50 US-Dollar je Klick, Anbietersuchen mit KI-Überblick 1,70 US-Dollar. „google ads agentur“ mit 11,00 US-Dollar Klickpreis hatte keinen KI-Überblick. Das ist eine Momentaufnahme vom 29. August 2026 und keine Garantie für die Zukunft.

Wie erkenne ich, ob meine Website betroffen ist?

In der Google Search Console an einer sinkenden Klickrate bei ungefähr gleichbleibenden Impressionen und Positionen. Positionen und Sichtbarkeitsindizes allein warnen nicht. Ob über einem Begriff ein KI-Überblick steht, zeigt nur die Trefferliste zum jeweiligen Begriff.